Kiss me, Cole (2008/2009)
(Wolfgang Adenberg/Cole Porter)
Diese Show war insofern eine besondere für mich, weil das die erste nach einer ziemlich langen Bühnenpause war. Erklärend muss ich sagen, dass ich im Oktober 2007 eine Weisheitszahn-OP hatte - eigentlich kein komplizierter Eingriff - bei der allerdings ein Zungennerv verletzt wurde. Und es hat ein gutes Jahr gedauert, bis ich die Folgen der OP soweit wieder im Griff hatte, dass ich mir zutraute, eine Show zu spielen. Und wie man unschwer auf dem Foto nebenan erkennen kann, hat es nicht nur mir, sondern auch meinen beiden Kolleginnen sehr großen Spaß gemacht.
(Maryanne Kelley, Annic Fenske)
Ein großer Teil des Spaßes bestand darin, in viele unterschiedliche Rollen hineinschlüpfen zu können. Vier des insgesamt sechsköpfigen Ensembles (plus ein Pianist) spielten jeweils die Leute, die Cole und Linda Porter in verschiedenen Situationen ihres Lebens trafen. Um die verschiedenen Charaktere deutlicher zu machen, haben wir versucht, das durch Kostüm und Maske noch zu unterstützen, was manchmal aber komische Blüten trieb.
Gerade eine Rolle, nämlich Cole Porters Arzt Dr. Moorhead, hat sich praktisch bis zur Generalprobe täglich optisch verändert. Mal hatte er eine Brille, dann wieder keine, mal hatte er graue Haare, dann wieder dunkle. Es war bei jeder Probe erneut spannend, wie Dr. Moorhead diesmal aussehen würde, nicht nur für mich, der täglich neue Sachen verpasst bekam, sondern gerade für meine beiden Kollegen Susanne und Leon, die erst auf der Bühne in der Szene selber den neuen Moorhead präsentiert bekamen.
(Leon van Leeuwenberg, Susanne Eisenkolb)
Eigentlich ist die Szene eine sehr ernste, denn Dr. Moorhead eröffnet Cole und Linda Porter, dass Cole ein Lebenlang mit starken Schmerzen in den Beinen leben müsse, er riete deswegen zur Amputation des schlimmen Beines. Also eigentlich kein Grund zur Freude. Aber warum dann diese eigenartig heitere Stimmung auf dem Foto?
Die Szene begann mit Susanne und mir. Wie immer kam ich auf den letzten Drücker von meinem Umzug auf Dr. Moorhead gerannt und wir gingen zusammen im Black auf unsere Position, das Licht ging an, Susanne begann ihren verzweifelten Text, dass man doch dem leidenden Cole helfen müsse, wandte sich mir zu - und stockte. Denn sie sah jetzt den neuen, verbesserten Dr. Moorhead in seiner vollen Pracht: wie eine Mütze wirkende dichte pechschwarze Haare und eine kleine Goldbrille - die Tage zuvor hatten wir uns aber schon mühsam an einen anderen Look gewöhnt, nämlich graue, gelockte Haare, komplettiert von einer dunklen Hornbrille. Wir versuchten, die Szene zu retten, indem wir unseren kleinen Dialog ohne Augenkontakt beendeten. Dann humpelte Leon herein, auch er stutze, als er mich sah. Er tat sein Bestes, die schwarze Mütze und die goldene Schweinsäugleinbrille nicht zu beachten und weiterzuspielen, aber irgendwann ging's dann doch nicht mehr, und wir kicherten die tragische Szene durch, zum Glück war’s die Generalprobe. Ab da war entschieden: keine Experimente mehr, keine Perücke und eine dezente Brille für mich. Trotzdem, bis zur letzten Vorstellung hatten wir in dieser Szene blitzende Augen - wenn ich auch nur einen Knopf am Kittel verändert hätte, wären wir lachend zusammengebrochen.
Klaus Seiffert brachte anrührende, ehrliche Szenen in “Kiss me, Cole” auf die Bühne, aber auch welche mit überzogenen Charakteren. Z. B. hatten Annic und ich eine Nummer, in der wir “Let’s do it” aus der Première von “Paris” spielten, sie eine vollkommen naive, aber kokette Frau, er ein Schlawiner, der sie unbedingt rumkriegen möchte. Eine Szene mit großen Gesten und gewollt theatralichem Staging, die mir sehr großen Spaß machte.
Oder ich konnte mich als Jimmy Durante zusammen mit Maryanne als Ethel Merman, zwei sich rivalisierende Urgesteine des amerikansichen Showbiz, mal so richtig austoben (links).
Außerdem kam ich in der Show diesmal wieder ans Steppen, ob nun in Nummern wie “Anything Goes”, “Heaven Hop” oder wie rechts in “Don’t monkey with Broadway” zusammen mit Alex. Als ich mir im Vorfeld die Originalstepnummer mit Fred Astaire und George Murphy ansah, zweifelte ich kurzzeitig, ob ich auch nur ähnliches hinkriegen könnte. Aber Alex und Maryanne haben mich (und Annic) unter ihre steppenden, kompetenten Fittiche genommen.
Musikalisch haben Jochen Neuffer und Harald Lierhammer gezaubert. Was sie aus dem Piano und dem Arrangement unserer sechs Stimmen alles herausholten, war schon bewundernswert. Deswegen ist meine Lieblingsnummer “Every Time we say Goodbye” ganz am Ende der Show gewesen. Ich habe das Foto links ausgewählt, weil Jochen wohl justement da aufgefallen sein muss, wie verwegen er arrangiert hat. “Das ist von mir? Nicht schlecht!”
Noch weitere Eindrücke von “Kiss me, Cole”. Alle Fotos wurden übrigens von Jürgen Frahm (www.Theaterfotograf.de) geschossen, der schon viele andere Produktionen im Alten Schauspielhaus und der Komödie im Marquardt bildlich festgehalten hat.
(Alexander Soehnle)
(rechts: Jochen Neuffer)